Aus Lexikon der Kunststoffprüfung
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Probekörper

Allgemeines

Die Begriffe Prüfkörper und Probekörper werden in der Literatur zur Kunststoffprüfung und Kunststoffdiagnostik und in den vorliegenden Normen uneinheitlich verwendet. Häufig fehlt die Abgrenzung der Begriffe untereinander oder in einem Text werden aus vermeintlich sprachlichen Gründen mehrere Begriffe verwendet.

In der DIN EN ISO 3167 [1] wurde ein Vielzweckprüfkörper und in der DIN EN ISO 20753 [2] ein Kunststoff-Probekörper eingeführt. Dabei ist insbesondere in der Normung der Begriff „Probekörper“ seit vielen Jahren weit verbreitet. Zur besseren Unterscheidung von Proben und Prüfkörpern gibt es allerdings eine Stellungnahme von C. Bonten [3] an den Fachausschuss Normung Kunststoffe (FNK) im DIN. Hierin wird erläutert, dass der Mischbegriff „Probekörper“ aus der Verknüpfung des aus der Statistik entlehnten Begriffs „Probe“ und dem Begriff „Prüfkörper“ entstanden ist und die Unsicherheiten des Ingenieurs in der Begriffswahl weiter erhöht.

Begriffsauswahl im Lexikon

Im Rahmen dieses Lexikons der Kunststoffprüfung wird im Zusammenhang mit der mechanischen und bruchmechanischen Werkstoffprüfung einheitlich der Terminus Prüfkörper verwendet, wohingegen in der Kunststoffanalytik vorwiegend Proben analysiert werden. Dabei handelt es sich in der mechanischen Prüfung um bauteilähnliche oder bauteilangepasste geometrische Abmessungen (z. B. in der Rohrprüfung) und in der Analytik (z. B. Chromatographie, Spektroskopie und Thermische Analyse) um Proben mit häufig kleinsten Abmessungen [4]. Die Verwendung des Begriffs „Probekörper“ beschränkt sich auf die Wiedergabe der Titel der jeweiligen Normen in den Literaturhinweisen.

Einsatz als Prüfmittel

Proben und Prüfkörper sind entweder Gegenstand bei der Durchführung einer Prüfmethode mit der Zielstellung der Ermittlung eines Kennwertes oder sie sind auch Prüfmittel für Prüfungen, in denen eine Eignung festgestellt wird. Dabei wird geprüft, ob das Prüfobjekt eine Forderung (Vorgabe) erfüllt. Hier dienen die Proben und Prüfkörper als Referenz z. B. bei Abstands- oder Wegkalibrierungen von digitalen Messuhren mit Parallelendmaßen. Die Begriffswahl in [5] ist uneinheitlich und Bedarf einer Korrektur.

"Probekörper" in der Normung

In der DIN EN ISO 20753 [2] wird der Versuch unternommen, die Bezeichnungen und Maße der zur Erfassung vergleichbarer Daten verwendeten Prüfkörper und auch anderer häufig verwendeter Prüfkörper zur besseren Übersicht in einem Dokument zusammenzufassen. Damit soll perspektivisch schrittweise die DIN EN ISO 3167 [1] ersetzt werden.

Die Herstellung normgerechter Prüfkörper erfolgt in der Kunststofftechnik und Polymerwissenschaft durch direkte Formgebungsverfahren, wie Spritzgießen, Spritzprägen, Formpressen und Gießen oder indirekte Formgebungsverfahren wie Extrudieren, Kalandrieren, Stanzen und Spanen [4, 5, 6, 7].

Das anwendungstechnisch wichtigste Herstellungsverfahren ist das Spritzgießen von Prüfkörpern aus Thermoplasten nach DIN EN ISO 294 [8]. In der sich in der Überarbeitung befindlichen Normenreihe werden die Bedingungen für das Spritzgießen festgelegt.

Hinsichtlich der Prüfkörpermaße wird auf die DIN EN ISO 20753 [2] verwiesen. Weitere internationale Normen, die bislang für denselben Probekörpertyp verschiedene Bezeichnungen verwendet haben, werden ebenfalls überarbeitet. Alle zukünftig verwendeten Bezeichnungen in den internationalen Normen müssen mit der DIN EN ISO 20753 harmonisiert werden.

Siehe auch


Literaturhinweise

[1] DIN EN ISO 3167 (2014-11): Kunststoffe – Vielzweckprobekörper
[2] DIN EN ISO 20753 (2022-07): Kunststoffe – Probekörper (Entwurf)
[3] Bonten, C.: Stellungnahme an den Fachausschuss Normung Kunststoffe (FNK) im DIN. (persönliche Mitteilung November 2022)
[4] Bierögel, C.: Prüfkörperherstellung. In: Grellmann, W., Seidler, S. (Hrsg.): Kunststoffprüfung. Carl Hanser Verlag, München (2015) 3. Auflage, S. 17–36 (ISBN 978-3-446-44350-1; siehe AMK-Büchersammlung unter A 18)
[5] Wikipedia: https://wikipedia.org/wiki/Probekörper
[6] DIN EN ISO 293 (2022-07): Formgepresste Probekörper aus Thermoplasten (Entwurf)
[7] DIN EN ISO 291 (2008-08): Kunststoffe – Normklimate für Konditionierung und Prüfung
Teil 1: (2017-09): Allgemeine Grundlagen und Herstellung von Vielzweckprobekörpern und Stäben
Teil 2 (2019-03): Kleine Zugstäbe
Teil 3 (2020-11): Kleine Platten
Teil 4 (2019-04): Bestimmung der Verarbeitungsschwindung
Teil 5 (2018-03): Herstellung von Standardprobekörpern zur Ermittlung der Anisotropie
[8] DIN EN ISO 294: Kunststoffe – Spritzgießen von Probekörpern aus Thermoplasten


Weitere Literaturhinweise

  • DIN 16906 (2015-01): Prüfung von Kunststoffbahnen und Kunststoff-Folien – Proben und Probekörper – Entnahme, Vorbehandlung
  • DIN ISO 34-1 (2016-09): Elastomere und thermoplastische Elastomere – Bestimmung des Weiterreißwiderstandes – Teil 1: Streifen-, winkel- und bogenförmige Probekörper
  • DIN EN ISO 3582 (2007-12): Weich-elastische, polymere Schaumstoffe – Laboratoriumsverfahren zur Bestimmung des horizontalen Brennverhaltens kleiner Probekörper bei Einwirkung einer kleinen Flamme
  • DIN EN ISO 1167-2 (2006-05): Rohre, Formstücke und Bauteilkombinationen aus thermoplastischen Kunststoffen für den Transport von Flüssigkeiten – Bestimmung der Widerstandsfähigkeit gegen inneren Überdruck – Teil 2: Vorbereitung der Rohr-Probekörper