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Bio-Kunststoffe

Begriffserläuterung "Bio-Kunststoffe"

Kunststoffe haben die Welt verändert. Die polymeren Alleskönner haben zu völlig neuen Produkten geführt, den technologischen Fortschritt wie kaum ein anderes Material vorangetrieben und den Ingenieuren neue Perspektiven zur Umsetzung ihrer Ideen eröffnet. Massenkunststoffe wie Polyvinylchlorid (Kurzzeichen: PVC), Polypropylen (Kurzzeichen: PP) oder Polyethylen (Kurzzeichen: PE) werden bereits seit mehr als 50 Jahren produziert. Verglichen damit sind "Bio-Kunststoffe" noch sehr jung.
Der Begriff "Bio-Kunststoffe" ist mehrdeutig. Zum Einen werden damit oft Kunststoffe bezeichnet, die aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden, zum Anderen wird dieser oft als Synonym für biologisch abbaubare Kunststoffe gebraucht. Beides ist aber unabhängig voneinander. Ein Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen muss keineswegs biologisch abbaubar sein, jedoch ist es durchaus möglich, dass ein biologisch abbaubarer Kunststoff aus Erdöl hergestellt wurde. Ganz gleich, was mit Bio-Kunststoff gemeint ist, ist dies nie ein Synonym für Umweltvorteile.

Die Rohstoffbasis der "Bio-Kunststoffe"

Die Kunststoffindustire setzt nachwachsende Rohstoffe dort ein, wo sie ökonomische und technische Vorteile bieten. Zurzeit basiert weniger als ein Prozent des gesamten Kunststoffverbrauchs auf nachwachsenden Rohstoffen. Bio-Kunststoffe basieren heute in erster Linie auf pflanzlicher Stärke, Polymilchsäure und Cellulose. Das größte Potenzial für derartige Werkstoffe liegt derzeit im Segment der naturfaserverstärkten Kunststoffe für Automobile und Bauprodukte. Darüber hinaus spielen sie auch in der Verpackungsindustrie eine Rolle.

Einsatzmöglichkeiten der "Bio-Kunststoffe"

Biologisch abbaubare Kunststoffe werden immer dann eingesetzt, wenn die Abbaubarkeit einen spezifischen Vorteil bietet. So können zum Beispiel in der Medizin durch den Einsatz resorbierbarer Implantate Zweitoperationen vermieden werden. In der Landwirtschaft fördern abbaubare Mulchfolien zunächst das Wachstum der Pflanzen und können nach Gebrauch einfach untergepflügt werden.
Biologisch abbaubare Kunststoffe können am Ende ihrer Lebensdauer ebenso wie herkömmliche Kunststoffe werkstofflich oder energetisch verwertet werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit der Kompostierung und Vergärung. Welcher Verwertungsmix der ökologisch Effizienteste ist, muss jeweils für den konkreten Abfallstrom entschieden werden. Eine Lösung für das Problem der Vermüllung der Landschaft durch achtloses Wegwerfen gebrauchter Produkte bieten bioabbaubare Kunststoffe übrigens nicht: Sie zersetzen sich nur unter speziellen, definierten Bedingungen. So benötigen Produkte aus kompostierbaren Werkstoffen (DIN EN 13432) Wochen, um zu verrotten.


Literaturhinweise

  • Lindner, S.: 2. Polymerinnovationstag "Kunststofftechnologien", 15. Mai 2008, Schkopau
  • DIN EN 13432 (2000-12): Verpackung – Anforderungen an die Verwertung von Verpackungen durch Kompostierung und biologischen Abbau – Prüfschema für die Einstufung von Verpackungen. Berichtigung 2 (2007-10)
  • DIN EN 14806 (2005-10): Verpackung – Vorbeurteilung des Auflösens von Verpackungsmaterial unter simulierten Kompostierbedingungen im Labormaßstab (zurückgezogen; ersetzt durch DIN EN ISO 20200)
  • DIN EN ISO 20200 (2016-05): Kunststoffe – Bestimmung des Zersetzungsgrades von Kunststoffmaterialien unter nachgebildeten Kompostierungsbedingungen mittels einer Prüfung im Labormaßstab