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Bio-Kunststoffe – schlagzähmodifiziert: Unterschied zwischen den Versionen

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<span style="font-size:1.2em;font-weight:bold;">Bio-Kunststoffe ‒ schlagzähmodifiziert</span>
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==Vielfältigkeit von Bio-Kunststoffen==
==Vielfältigkeit von Bio-Kunststoffen==
Im Rahmen eines vom [https://www.bmftr.bund.de/DE/Home/home_node.html BMFTR] geförderten Projekts HiBiKuS untersuchen die [https://www.psm-merseburg.de Polymer Service GmbH Merseburg], die [https://www.exipnos.de/ Exipnos GmbH] und das [https://www.imws.fraunhofer.de/ Fraunhofer Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen], wie sich teilkristalline biobasierte Kunststoffe gezielt modifizieren lassen, um deren Einsatzmöglichkeiten zu erweitern [1].<br>
Im Rahmen eines vom [https://www.bmftr.bund.de/DE/Home/home_node.html BMFTR] geförderten Projekts HiBiKuS untersuchen die [https://www.psm-merseburg.de Polymer Service GmbH Merseburg], die [https://www.exipnos.de/ Exipnos GmbH] und das [https://www.imws.fraunhofer.de/ Fraunhofer Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen], wie sich [[Kristallinität|teilkristalline]] [[Bio-Kunststoffe|biobasierte Kunststoffe]] gezielt modifizieren lassen, um deren Einsatzmöglichkeiten zu erweitern [1].<br>
[[Bio-Kunststoffe]] sind eine vielfältige Werkstoffklasse von [[Polymer]]en, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Im Gegensatz zu konventionellen, auf fossilen Rohstoffen basierenden Polymeren bieten sie ökologische Vorteile, etwa durch geringere Treibhausgasemissionen und die Möglichkeit der Kompostierung. Beispiele für biobasierte Polymere sind Polylactid ([[Kurzzeichen]]: PLA), Polyhydroxyalkanoat ([[Kurzzeichen]]: PHA), Polyhydroxybutyrat ([[Kurzzeichen]]: PHB), Polyamid 11 ([[Kurzzeichen]]: PA11), Stärke-Derivate, Chitin und Chitosan sowie Cellulose. Sie finden Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen, zunehmend auch für technische Bauteile [2]. <br>
[[Bio-Kunststoffe]] sind eine vielfältige Werkstoffklasse von [[Polymer]]en, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Im Gegensatz zu konventionellen, auf fossilen Rohstoffen basierenden Polymeren bieten sie ökologische Vorteile, etwa durch geringere Treibhausgasemissionen und die Möglichkeit der Kompostierung. Beispiele für biobasierte Polymere sind Polylactid ([[Kurzzeichen]]: PLA), Polyhydroxyalkanoat ([[Kurzzeichen]]: PHA), Polyhydroxybutyrat ([[Kurzzeichen]]: PHB), Polyamid 11 ([[Kurzzeichen]]: PA11), Stärke-Derivate, Chitin und Chitosan sowie Cellulose. Sie finden Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen, zunehmend auch für technische [[Kunststoffbauteil|Bauteile]] [2]. <br>
Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe werden jedoch häufig mit eingeschränkten mechanischen Eigenschaften assoziiert.  
Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe werden jedoch häufig mit eingeschränkten mechanischen Eigenschaften assoziiert.


==Notwendigkeit einer Kristallisationssteuerung und Schlagzähmodifizierung von PBS==
==Notwendigkeit einer Kristallisationssteuerung und Schlagzähmodifizierung von PBS==


Ein Ziel war deshalb die Herstellung von vollständig biobasierten schlagzähmodifizierten Polymeren mit insgesamt guter mechanischer Performance und vorteilhaften Morphologie-Eigenschafts-Beziehungen. Als Matrixmaterial wurde das biobasierte teilkristalline Polymer Polybutylensuccinat ([[Kurzzeichen]]: PBS) verwendet [3‒4], ein linearer aliphatischer Polyester, der im Vergleich zu Polylactid ([[Kurzzeichen]]: PLA) eine höhere biologische Abbaubarkeit aufweist, sogar in Süß- und Meerwasser. Mit Methoden zur Charakterisierung der [[Mikroskopische Struktur|Morphologie]] von isotherm kristallisiertem PBS konnte jedoch gezeigt werden (siehe '''Bild 1'''), dass die sphärolithische Morphologie von PBS innerhalb eines relativ kleinen Temperaturbereichs stark von eher feinsphärolithisch bis sehr grobsphärolithisch variiert (siehe [[Sphärolithische Struktur]]).  
Ein Ziel war deshalb die Herstellung von vollständig biobasierten schlagzähmodifizierten Polymeren mit insgesamt guter mechanischer Performance und vorteilhaften Morphologie-Eigenschafts-Beziehungen. Als Matrixmaterial wurde das biobasierte teilkristalline Polymer Polybutylensuccinat ([[Kurzzeichen]]: PBS) verwendet [3‒4], ein linearer aliphatischer Polyester, der im Vergleich zu Polylactid ([[Kurzzeichen]]: PLA) eine höhere biologische Abbaubarkeit aufweist, sogar in Süß- und Meerwasser. Mit Methoden zur Charakterisierung der [[Mikroskopische Struktur|Morphologie]] von isotherm kristallisiertem PBS konnte jedoch gezeigt werden (siehe '''Bild 1'''), dass die sphärolithische Morphologie von PBS innerhalb eines relativ kleinen Temperaturbereichs stark von eher feinsphärolithisch bis sehr grobsphärolithisch variiert (siehe: [[Sphärolithische Struktur]]).  


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Die sich bei grobsphärolitischer Morphologie bildenden Korngrenzen sind Defekte im regelmäßigen Strukturaufbau, die die Eigenschaften negativ beeinflussen. Außerdem kann es durch dieses Verhalten bei der [[Kristallinität|Kristallisation]] zu einem nicht akzeptablen Verzug in [[Kunststoffbauteil]]en während des Spritzgießprozesses kommen. Der ausgeprägte Einfluss der Verarbeitungsbedingungen (z. B. der Abkühlbedingungen, siehe '''Bild 1''') auf die Morphologie und die Eigenschaften von PBS erfordert daher eine Steuerung des Kristallisationsprozesses (z. B. durch eine Nukleierung, siehe '''Bild 1''') und/oder eine effiziente Schlagzähmodifizierung, wie im Folgendem dargestellt wird.
Die sich bei grobsphärolitischer Morphologie bildenden Korngrenzen sind Defekte im regelmäßigen Strukturaufbau, die die Eigenschaften negativ beeinflussen. Außerdem kann es durch dieses Verhalten bei der [[Kristallinität|Kristallisation]] zu einem nicht akzeptablen Verzug in [[Kunststoffbauteil]]en während des Spritzgießprozesses kommen. Der ausgeprägte Einfluss der Verarbeitungsbedingungen (z. B. der Abkühlbedingungen, siehe '''Bild 1''') auf die Morphologie und die Eigenschaften von PBS erfordert daher eine Steuerung des Kristallisationsprozesses (z. B. durch eine Nukleierung, siehe '''Bild 1''') und/oder eine effiziente Schlagzähmodifizierung, wie im Folgendem dargestellt wird.


[[Datei:Bio-Kunststoffe_schlagzaeh-2.jpg|650px]]
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Eine prinzipielle Möglichkeit zur Schlagzähmodifizierung ist die Einbringung von Naturkautschuklatices ('''Bild 2''') in das PBS während der Compoundierung. Allerdings führte die Verwendung unmodifizierter Naturkautschuklatices nicht zum erwünschten Erfolg ('''Tabelle 1''' und '''Bild 3'''): Eine Erhöhung der [[Kerbschlagbiegeversuch|Kerbschlagzähigkeit]] gegenüber reinem PBS war demnach auf diese Art und Weise nicht möglich.
Eine prinzipielle Möglichkeit zur Schlagzähmodifizierung ist die Einbringung von Naturkautschuklatices ('''Bild 2''') in das PBS während der Compoundierung. Allerdings führte die Verwendung unmodifizierter Naturkautschuklatices nicht zum erwünschten Erfolg ('''Tabelle 1''' und '''Bild 3'''): Eine Erhöhung der [[Kerbschlagbiegeversuch|Kerbschlagzähigkeit]] gegenüber reinem PBS war demnach auf diese Art und Weise nicht möglich.


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|+ '''Tabelle 1''': Prozeduren zur Verbesserung der Zähigkeit von PBS
|+ '''Tabelle 1''': Prozeduren zur Verbesserung der Zähigkeit von PBS
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!! style="width:220px; background:#DCDCDC" | Prozedur
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*[[Kerbschlagbiegeversuch]]
*[[Kerbschlagbiegeversuch]]


 
==Literaturhinweise==
'''Literaturhinweise'''


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==Weblinks==
*European Bioplastics e. V.: [https://www.european-bioplastics.org/ https://www.european-bioplastics.org/] (Zugriff am 25.06.2026)
*Wikipedia – Die freie Enzyklopädie: [https://de.wikipedia.org/wiki/Biologisch_abbaubarer_Kunststoff  Biologisch abbaubarer Kunstoff] (Zugriff am 25.06.2026)
*Wikipedia – Die frei Enzyklopädie: [https://de.wikipedia.org/wiki/Bio-basierter_Kunststoff Bio-basierter Kunststoff] (Zugriff am 25.06.2026)
*Umweltbundesamt: [https://www.umweltbundesamt.de/biobasierte-biologisch-abbaubare-kunststoffe#-sind-biobasierte-kunststoffe-nachhaltiger-als-konventionelle-kunststoffe Sind biobasierte Kunststoffe nachhaltiger als konventionelle Kunststoffe?] In: Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe (Zugriff am 25.06.2026)
*Bio-Plastics Europe: [https://bioplasticseurope.eu/about What are "Bio-plastics"?] (Zugriff am 25.06.2026)


'''Weblinks'''
*BiopolymerWiki: [https://biopolymerwiki.hof-university.de/ https://biopolymerwiki.hof-university.de/] (Zugriff am 25.06.2026)
*European Bioplastics e. V.: [https://www.european-bioplastics.org/ https://www.european-bioplastics.org/]
*Wikipedia – Die freie Enzyklopädie: Biologisch abbaubare Kunstoffe  [https://de.wikipedia.org/wiki/Biologisch_abbaubarer_Kunststoff  https://de.wikipedia.org/wiki/Biologisch_abbaubarer_Kunststoff]
*Wikipedia – Die frei Enzyklopädie: Biobasierte Kunststoffe  [https://de.wikipedia.org/wiki/Bio-basierter_Kunststoff https://de.wikipedia.org/wiki/Bio-basierter_Kunststoff]
*Umweltbundesamt: [https://www.umweltbundesamt.de/biobasierte-biologisch-abbaubare-kunststoffe#22-sind-biobasierte-kunststoffe-nachhaltiger-als-konventionelle-kunststoffe https://www.umweltbundesamt.de/biobasierte-biologisch-abbaubare-kunststoffe#22-sind-biobasierte-kunststoffe-nachhaltiger-als-konventionelle-kunststoffe]
*Bio-Plastics Europe: [https://bioplasticseurope.eu/about https://bioplasticseurope.eu/about]
*BiopolymerWiki: [https://biopolymerwiki.hof-university.de/ https://biopolymerwiki.hof-university.de/]


[[Kategorie:Kunststoffe]]
[[Kategorie:Kunststoffe]]

Aktuelle Version vom 27. August 2026, 10:00 Uhr

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Bio-Kunststoffe ‒ schlagzähmodifiziert

Vielfältigkeit von Bio-Kunststoffen

Im Rahmen eines vom BMFTR geförderten Projekts HiBiKuS untersuchen die Polymer Service GmbH Merseburg, die Exipnos GmbH und das Fraunhofer Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen, wie sich teilkristalline biobasierte Kunststoffe gezielt modifizieren lassen, um deren Einsatzmöglichkeiten zu erweitern [1].
Bio-Kunststoffe sind eine vielfältige Werkstoffklasse von Polymeren, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Im Gegensatz zu konventionellen, auf fossilen Rohstoffen basierenden Polymeren bieten sie ökologische Vorteile, etwa durch geringere Treibhausgasemissionen und die Möglichkeit der Kompostierung. Beispiele für biobasierte Polymere sind Polylactid (Kurzzeichen: PLA), Polyhydroxyalkanoat (Kurzzeichen: PHA), Polyhydroxybutyrat (Kurzzeichen: PHB), Polyamid 11 (Kurzzeichen: PA11), Stärke-Derivate, Chitin und Chitosan sowie Cellulose. Sie finden Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen, zunehmend auch für technische Bauteile [2].
Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe werden jedoch häufig mit eingeschränkten mechanischen Eigenschaften assoziiert.

Notwendigkeit einer Kristallisationssteuerung und Schlagzähmodifizierung von PBS

Ein Ziel war deshalb die Herstellung von vollständig biobasierten schlagzähmodifizierten Polymeren mit insgesamt guter mechanischer Performance und vorteilhaften Morphologie-Eigenschafts-Beziehungen. Als Matrixmaterial wurde das biobasierte teilkristalline Polymer Polybutylensuccinat (Kurzzeichen: PBS) verwendet [3‒4], ein linearer aliphatischer Polyester, der im Vergleich zu Polylactid (Kurzzeichen: PLA) eine höhere biologische Abbaubarkeit aufweist, sogar in Süß- und Meerwasser. Mit Methoden zur Charakterisierung der Morphologie von isotherm kristallisiertem PBS konnte jedoch gezeigt werden (siehe Bild 1), dass die sphärolithische Morphologie von PBS innerhalb eines relativ kleinen Temperaturbereichs stark von eher feinsphärolithisch bis sehr grobsphärolithisch variiert (siehe: Sphärolithische Struktur).

Schnelle Abkühlung aus der Schmelze: Sphärolithgröße: ca. 10 μm Isotherme Kristallisation bei 90 °C: Spärolithgröße: Mehrere 100 μm Isotherme Kristallisation bei 90 °C: Nukleierung an der Faseroberfläche
Bild 1: Mikrostruktur von PBS in Abhängigkeit von der Abkühlrate und einer Nukleierung

Die sich bei grobsphärolitischer Morphologie bildenden Korngrenzen sind Defekte im regelmäßigen Strukturaufbau, die die Eigenschaften negativ beeinflussen. Außerdem kann es durch dieses Verhalten bei der Kristallisation zu einem nicht akzeptablen Verzug in Kunststoffbauteilen während des Spritzgießprozesses kommen. Der ausgeprägte Einfluss der Verarbeitungsbedingungen (z. B. der Abkühlbedingungen, siehe Bild 1) auf die Morphologie und die Eigenschaften von PBS erfordert daher eine Steuerung des Kristallisationsprozesses (z. B. durch eine Nukleierung, siehe Bild 1) und/oder eine effiziente Schlagzähmodifizierung, wie im Folgendem dargestellt wird.

Teilchengrößenverteilung:
monomodal bimodal
0,4–2,8 μm 0,1–1,0 μm 0,1–1,0 μm 0,1–1,6 μm 0,1–0,3 μm und
0,75–1,6 μm
Besonderheiten:
geringer Ammoniakgehalt ammoniakfrei gepfropft mit MMA
Bild 2: Untersuchte Naturkautschuklatices

Schlagzähmodifizierung von PBS durch modifizierte Naturkautschuklatices

Eine prinzipielle Möglichkeit zur Schlagzähmodifizierung ist die Einbringung von Naturkautschuklatices (Bild 2) in das PBS während der Compoundierung. Allerdings führte die Verwendung unmodifizierter Naturkautschuklatices nicht zum erwünschten Erfolg (Tabelle 1 und Bild 3): Eine Erhöhung der Kerbschlagzähigkeit gegenüber reinem PBS war demnach auf diese Art und Weise nicht möglich.

Tabelle 1: Prozeduren zur Verbesserung der Zähigkeit von PBS
Prozedur Praktikabilität Einfluss auf die Zähigkeit
Physikalische Vernetzung der Latexteilchen durch Elektronenbestrahlung Nicht möglich
Spritzguss unter Verwendung unmodifizierter Latices Möglich, jedoch ausgeprägte Agglomeration der Latexteilchen Kaum erhöhte Kerbschlagzähigkeit im Vergleich zu reinem PBS
Emulsion der Latices bei Variation des Emulgators und der Vorgehensweise; Spritzguss unter Verwendung modifizierter Latices Einfach durchführbar; deutlich verringerte Agglomeration der Latexteilchen Stark erhöhte Kerbschlagzähigkeit im Vergleich zu reinem PBS

Als tatsächlich im Technikumsmaßstab (Losgröße: 100 kg) gangbarer Weg, die mechanischen Eigenschaften einschließlich der Zähigkeit auch bei niedrigen Temperaturen zu verbessern, stellte sich die Modifizierung von PBS mit Naturkautschuklatices in einem Lösungsprozess mit zusätzlichem Direktspritzguss heraus (siehe Tabelle 1). Im Vergleich zu reinem PBS zeigt dieses vollständig biobasierte schlagzähe PBS eine stark verbesserte Zähigkeit bei ‒20 °C und Raumtemperatur (siehe Bild 3). Dieses Verhalten steht mit einer relativ geringer Agglomerationsneigung der primären Latexpartikel durch ihre Modifizierung in Verbindung und hängt mit einem Übergang von instabiler (wie es auch für reines PBS typisch ist) zu stabiler Rissausbreitung zusammen. Das neu entwickelte schlagzähe PBS überschreitet den in der automotiven Industrie geforderten Schwellwert für die Kerbschlagzähigkeit von 15 kJ/m2 und kann sich dadurch ähnliche Anwendungsfelder wie schlagzähmodifiziertes Polypropylen (Kurzzeichen: PP) erschließen, dem es in Verarbeitbarkeit und Eigenschaftsprofil ebenbürtig ist. Vorteile gegenüber PP sind seine gute Recyclingfähigkeit und biologische Abbaubarkeit.

Bild 3: Zähigkeit der PBS-Werkstoffe

Ausblick

Der hier dargestellte Ansatz ermöglicht die Herstellung mechanisch leistungsfähiger, vollständig biobasierter und biologisch abbaubarer Spritzgussmaterialien. Damit leisten diese schlagzähen Bio-Kunststoffe einen wichtigen Beitrag zum Ersatz erdölbasierter Kunststoffe und erweitern das Potenzial nachhaltiger Materialalternativen.

Siehe auch

Literaturhinweise

[1] Lach, R., Henning, S. Putsch, E., Putsch, P., Kotter, I.: Gezielte Schlagzähmodifizierung von Polybutylensuccinat mit Naturkautschuk ‒ Kerbschlagzähigkeit auf Niveau von schlagzähmodifiziertem Polypropylen. Plastverarbeiter 06 (2025) 52‒54; Link zur Online-Ausgabe
[2] Niaounakis, M: Biopolymers: Applications and Trends. William Andrew Publishing, (2015); ISBN 978-0-323-35399-1; https://doi.org/10.1016/C2014-0-00936-7
[3] Aliotta, L., Seggiani, M., Lazzeri, A., Gigante, V., Cinelli, P.: A brief review of poly (butylene succinate) (PBS) and its main copolymers: Synthesis, blends, composites, biodegradability, and applications. Polymers 14/4 (2022) 844; https://doi.org/10.3390/polym14040844
[4] Xu, J., Guo, B.-H.: Poly(butylene succinate) and its copolymers: Research, development and industrialization. Biotechnology Journal 5/11 (2010) 1149‒1163; https://doi.org/10.1002/biot.201000136

Weblinks