Prüfgeschwindigkeit

Aus Lexikon der Kunststoffprüfung
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Prüfgeschwindigkeit

siehe: Traversengeschwindigkeit

Der Begriff Prüfgeschwindigkeit wird bevorzugt in der Werkstoff- und Kunststoffprüfung, unabhängig von der Art der Belastung und der Zeitdauer der Beanspruchung, genutzt, aber auch zur Beschreibung der Geschwindigkeit von beliebig gearteten Verformungsprozessen z. B. zur Analyse der Fließgeschwindigkeit eingesetzt [1−3].
In der Kunststoffprüfung versteht man unter dem Begriff Prüfgeschwindigkeit die eingeprägte Geschwindigkeit, die von einer Belastungseinrichtung auf den Prüfkörper aufgebracht wird. Bei Nutzung einer elektromechanischen oder servohydraulischen Universalprüfmaschine, mit der z. B. Zug-, Druck-, Biege- oder Scherversuche durchgeführt werden können, entspricht die Prüfgeschwindigkeit der sogenannten Traversengeschwindigkeit (teilweise auch Abzugsgeschwindigkeit), mit der sich die bewegliche Traverse mit der Prüfkörpereinspannung nach oben oder unten bewegt. Da die Geschwindigkeit unabhängig von der entstehenden Reaktionskraft des Prüfkörpers sein muss, wird diese mit dem sogenannten primären Regelkreis der Prüfmaschine konstant gehalten. Der Begriff Prüfgeschwindigkeit wird explizit in den Normen der Kunststoffprüfung [4–11] genutzt, wobei aber die Traversengeschwindigkeit vT tabellarisch angegeben wird, während die Traversengeschwindigkeit z. B. in der Norm DIN EN ISO 11339 [12] direkt verwendet wird. Je nach Versuchsanordnung bzw. Belastungsart kann aus der Traversengeschwindigkeit dann eine spezifische Dehngeschwindigkeit für den Prüfkörper berechnet werden. Bei den schlag- oder fallartigen Prüfverfahren wird der Begriff Prüfgeschwindigkeit nur in der DIN EN ISO 7765-2 [13] benutzt, während in den anderen Prüfnormen die Aufschlag-, Auftreff- oder Aufprallgeschwindigkeit verwendet wird [14–18]. In jedem Fall ist hier die Geschwindigkeit v0 der Belastungseinrichtung (Fallhammer oder Pendelhammer) kurz vor dem Aufschlag auf den Prüfkörper (ungekerbter, gekerbter Prüfkörper oder runde oder rechteckige Prüfplatte) gemeint. Bei allen Versuchsarten wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass die eingeprägte Geschwindigkeit eine, wie auch immer geartete, Dehngeschwindigkeits­verteilung und Dehnungszustand im Prüfkörper hervorruft und als Reaktion eine Kraft bzw. Spannung erzeugt, die als Diagramm dargestellt wird und der Berechnung von Werkstoffkennwerten dient.

Im Rahmen des WIKI-Lexikons Kunststoffprüfung und Diagnostik werden unter Geschwindigkeit auch die nachstehenden Begriffe näher erläutert:

  1. siehe Deformationsgeschwindigkeit
  2. siehe Verformungsgeschwindigkeit
  3. siehe Dehngeschwindigkeit oder Dehnrate
    - Grundlagen
    - Applikationen
  4. siehe Traversengeschwindigkeit


Literaturhinweise

[1] Späth, W.: Physik der mechanischen Werkstoffprüfung. Springer Verlag, Berlin, (2013), (ISBN 978-3-642-99022-9)
[2] Krüger, G.: Klettverschlüsse: Materialien, Herstellung, Prüfung, Anwendungen. Carl Hanser Verlag, München, (2013), (ISBN 978-3-446-43493-6)
[3] Richter, H. W.: Instandhaltung von Ortsgasleitungen. Vulkan Verlag, Essen, (2007), (ISBN 978-3-802-27561-1)
[4] DIN EN ISO 527-1 (2012-06): Kunststoffe – Bestimmung der Zugeigenschaften – Teil 1: Allgemeine Grundsätze
[5] DIN EN ISO 527-2 (2012-06): Kunststoffe – Bestimmung der Zugeigenschaften – Teil 2: Prüfbedingen für Form- und Extrusionsmassen
[6] DIN EN ISO 604 (2003-12): Kunststoffe – Bestimmung von Druckeigenschaften
[7] DIN EN ISO 178 (2017-06): Kunststoffe – Bestimmung der Biegeeigenschaften (Normentwurf)
[8] DIN EN ISO 14125 (2011-05): Faserverstärkte Kunststoffe – Bestimmung der Biegeeigenschaften
[9] DIN EN ISO 14126 (2000-12): Faserverstärkte Kunststoffe – Bestimmung der Druckeigenschaften in der Laminatebene
[10] DIN EN ISO 14129 (1998-02): Faserverstärkte Kunststoffe – Zugversuch an 45°-Laminaten zur Bestimmung der Schubspannungs/Schubverformungs-Kurve des Schubmoduls in der Lagenebene
[11] DIN EN ISO 14130 (1998-02): Faserverstärkte Kunststoffe – Bestimmung der scheinbaren interlaminaren Scherfestigkeit nach dem Dreipunktverfahren mit kurzem Balken
[12] DIN EN ISO 11339 (2010-06): Klebstoffe – T-Schälprüfung für geklebte Verbindungen aus flexiblen Fügeteilen
[13] DIN ISO 7765-2 (2009-02): Kunststofffolien und -bahnen – Bestimmung der Schlagfestigkeit nach dem Fallhammerverfahren – Teil 2: Durchstoßversuch mit elektronischer Messwerterfassung
[14] DIN EN ISO 179-1 (2010-11): Kunststoffe – Bestimmung der Charpy-Schlageigenschaften –Teil 1: Nicht instrumentierte Schlagzähigkeitsprüfung
[15] DIN EN ISO 179-2 (2012-06): Kunststoffe – Bestimmung der Charpy-Schlageigenschaften – Teil 2: Instrumentierte Schlagzähigkeitsprüfung
[16] DIN EN ISO 180 (2013-08): Kunststoffe – Bestimmung der Izod-Schlagzähigkeit
[17] DIN EN ISO 6603-1 (2000-10): Kunststoffe – Bestimmung des Durchstoßverhaltens von festen Kunststoffen – Teil 1: Nicht-instrumentierter Schlagversuch
[18] DIN EN ISO 6603-2 (2002-04): Kunststoffe – Bestimmung des Durchstoßverhaltens von festen Kunststoffen – Teil 2: Instrumentierter Schlagversuch
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